Tatsächlich ist seit November viel passiert in Kriens. Die Cup-Niederlage hat das gesamte Team einmal richtig durchgeschüttelt und seither geht es steil bergauf. Die Mannschaft ist mittlerweile zu einer Einheit zusammengewachsen. Die lange Verletztenliste schien zunächst ein unlösbares Problem zu sein. Mit fortdauernder Meisterschaft zeigte sich aber, dass die notgedrungene konsequente Einbindung der Nachwuchsspieler zu einer Trumpfkarte im Saisonschlussspurt werden könnte. Die Entwicklung der jungen Talente ist beeindruckend. Die Mannschaft hat plötzlich eine Kaderbreite wie kein anderes Team in der QHL, wenn eben diese verletzten Spieler nicht wären. Milos Orbovic ist keiner der jungen Wilden, sondern mit seinen 32 Jahren der Zweitälteste im Team, nach Torhüter Bonnefoi. «Zeitweise sassen sechs der Start-7 verletzt auf der Zuschauertribüne und trotzdem gewannen wir die Spiele.» Bescheiden lobt er seine Mitspieler in den höchsten Tönen und deren Mentalität. Dabei hat er selbst einen sehr grossen Anteil an dieser Entwicklung. In der schwierigen Phase war er es, der grosse Verantwortung übernahm. Während sich die jungen Spieler rund um Luca Sigrist auf der Platte austoben, behält er den Überblick und die Zügel in der Hand. Er spielt die fünfte Saison für den HC Kriens-Luzern, seine wohl Beste. Das macht auch ihn zu einem weiteren Trumpf im Kampf um das Finalticket.
Lockruf von Andy Schmid
Noch etwas ausser Atem vom Training sitzt der sympathische Orbovic gut gelaunt auf der Tribüne der PILATUS ARENA. Er ist 191cm gross, Linkshänder, serbischer Nationalspieler. Seine Position: Rechter Rückraum. Die Juniorenzeit und seine ersten Profijahre verbrachte er in seiner Heimat, ehe es ihn ins Ausland zog. Insbesondere seine Stationen in Spanien bei Bidasoa Irun und bei Motor Saporischschja in der Ukraine, wo er jeweils in der Champions League spielen konnte, waren prägend. «Mein Berater fragte mich, ob ich nach Kriens wechseln wolle, aber ich wusste überhaupt nichts über diesen Verein.» Trotzdem wechselte er auf die Saison 2021/22 zum HC Kriens-Luzern. «Als ich erfuhr, dass Andy Schmid hierherkommen wird, wusste ich, dass der Klub grosse Ambitionen hegt. Das hat mich überzeugt.» Er schwärmt von Luzern und von den Menschen, die den Verein prägen. So lange wie hier, war er seit der Juniorenzeit nie bei einem Klub.
Während der Krienser Motor immer besser in Fahrt kommt, hat der Halbfinalgegner aus Winterthur seinerseits mit Absenzen von verletzten Spielern zu kämpfen. Zu Saisonbeginn lief es der Mannschaft von Trainer Goran Cvetkovic wie geschmiert und sie erreichte den Cupfinal. Seither scheint das Team zu stagnieren und liefert inkonstante Leistungen. Die Viertelfinal-Serie gegen St. Otmar entschieden die Winterthurer zwar für sich, aber wohl knapper, als erhofft.
Die verpasste Chance
«Winterthur hat eine gute Mannschaft mit starken Spielern. Ich habe Respekt vor ihnen.» analysiert Milos Orbovic und ergänzt den Satz mit einem grossen Aber. «Aber wir sind die stärkste Mannschaft der ganzen Liga. Das ist meine Meinung und zu der stehe ich.» Er zweifelt nicht daran, dass der HCKL auch diese Serie gewinnen wird. Die Halbfinal-Serie sieht er als Zwischenetappe und strebt nach mehr. Er will in den Final und dort um den Titel mitspielen. Wenn Milos Orbovic darüber spricht, spürt man, dass dieses Ziel für ihn das normalste der Welt ist. Es ist keine Überheblichkeit zu spüren, kein Zweckoptimismus, sondern messerscharfe Analyse. «Wir haben die letzten zwölf Partien allesamt souverän gewonnen, obwohl uns wichtige Spieler fehlten. Möglicherweise kommen Marin Sipic, Jérôme Müller, Radojica Cepic und Valentin Wolfisberg zurück.» Lächelt und ergänzt: «Du kannst dir selbst ausmalen, was das bedeutet.» Es braucht keine Glaskugel, um zu wissen, was er damit meint.
Die Gegenwart heisst aber Pfadi Winterthur. Eine Mannschaft, die über starke Torhüter und ausserordentlich talentierte Spieler wie der junge Niclas Mierzwa verfügt. Winterthur überzeugt vor allem mit dem starken Kollektiv sowohl im Angriff als auch in der Verteidigung. Es ist nicht mit 40 HCKL-Toren pro Spiel zu rechnen, wie zuletzt gegen Basel. Thomas Zimmermann muss eine andere Taktik aus dem Hut zaubern.
Dann erwähnt Milos Orbovic doch noch die verpassten Chancen in den früheren Finals gegen Schaffhausen. Und das Verletzungspech im dümmsten Moment. Das Quäntchen Glück das fehlte. Trotz der beiden Cuptitel scheint seine Mission hier in Kriens noch nicht erfüllt zu sein. Er möchte den Tolggen im Reinheft noch ausradieren. «Ich will mit Kriens dieses Jahr den Meistertitel holen.» Er sagt es und schreitet davon in die Garderobe zu seinen Teamkollegen.
Tickets
Die beiden bislang terminierten Heimspiele gegen Pfadi Winterthur finden am Sonntag, 26. April und am Sonntag, 3. Mai jeweils um 17:00 Uhr in der PILATUS ARENA statt. Türöffnung ist um 15:30 Uhr.
Tickets gibt es hier:
www.ticket-onlineshop.com/ols/hckl/de/einzeltickets/channel/shop/index
Die Spiele können zudem auf Red+ gestreamt werden.
Playoff-Modus
Der HC Kriens-Luzern spielt im Playoff-Halbfinal in einer Best of 5 Serie gegen Pfadi Winterthur. Als Zweiter der Qualifikation geniessen die Krienser zuerst Heimrecht. Der Sieger der Serie qualifiziert sich für den Final und trifft dort auf den Gewinner der Halbfinal-Serie zwischen Kadetten Schaffhausen und dem BSV Bern.
Autor: Martin Kaufmann
Foto: Hardy Konzelmann





