Was für ein Abend für Ramon Schlumpf! In seiner Heimat Stäfa läuft der HCKL-Flügel zur Höchstform auf und trifft gleich elfmal. Mit 42:33 holt sich der HC Kriens-Luzern den vierten Sieg im vierten NLA-Spiel und erfüllt damit seine Pflichtaufgabe am Zürichsee.
Es ist eine besondere Rückkehr für Ramon Schlumpf. Sein Stammverein ist der HC GS Stäfa, vor sieben Jahren wechselte der heute 27-Jährige in die Innerschweiz. Die Frohberg-Halle kennt er bestens – und auch auf der Tribüne sind viele bekannte Gesichter zu finden. Familie, Freunde und Weggefährten sorgen dafür, dass der Auftritt in der alten Heimat immer etwas Besonderes ist. Am Samstag wurde daraus ein ganz spezieller Abend. Schlumpf drückte von Beginn an aufs Tempo und traf und traf. Bereits nach 15 Minuten standen acht Tore auf seinem persönlichen Konto. Am Ende waren es elf Treffer bei zwölf Versuchen. Eine herausragende Quote und gleichzeitig ein persönlicher Rekord: In seinen bisherigen neun NLA-Saisons hatte Schlumpf noch nie zweistellig getroffen. «Ich will dies nun nicht überbewerten, allerdings ist es schon lässig und tut dem persönlichen Gemüt gut», sagt Schlumpf mit einem Lächeln. Ganz neu ist die zweistellige Marke für ihn allerdings nicht. Spontan erinnert er sich an ein NLB-Spiel mit Stäfa im Februar 2018, als ihm gegen den KTV Altdorf laut Statistik zwölf Treffer gelangen
Ein Stehaufmännchen mit viel Geduld
Dass Schlumpf nun wieder solche Abende erleben darf, ist alles andere als selbstverständlich. Rund ein halbes Jahr musste der Flügel nach einem operativ behandelten Knorpelschaden pausieren. Und auch in der Vergangenheit blieb der 1,87 Meter grosse Rechtshänder von Rückschlägen nicht verschont. Doch Schlumpf kämpft sich immer wieder zurück. Knöchelbruch, Lungenembolie, nun die Knieverletzung – der HCKL-Flügel hat gelernt, mit schwierigen Phasen umzugehen. «Der Arzt und das Physioteam haben einen super Job gemacht», sagt er dankbar. Die Rehabilitation verlief nach Plan. Noch müsse sich der Körper wieder an die schnellen Stop-and-Go-Bewegungen im Handball gewöhnen, doch das Knie bereitet ihm keine Probleme mehr.
Geduld, Arbeit und Vollgas
Der Weg zurück aufs Spielfeld war dennoch nicht ganz einfach. Vor dem Spiel in Stäfa kam Schlumpf nur sporadisch zum Einsatz. Auf seiner Position erhielt zuletzt Rückraumspieler Valentin Wolfisberg den Vorzug. Eine taktische Lösung, die dem HCKL ermöglicht, Wolfisberg nicht zusätzlich für die Defensive auswechseln zu müssen. Stört ihn das? «Jeder Sportler will spielen. Im Moment sind wir mit dieser Taktik aber erfolgreich, und so nehme ich diese Situation sehr gut an. Ich bin deshalb nicht unruhig. Ich werde im Training Gas geben, um parat zu sein, wenn es mich braucht.» Genau diese Einstellung zeigte Schlumpf dann auch in Stäfa.
Ketchup-Effekt beim vierten Sieg
Der Ketchup-Effekt liess nicht lange auf sich warten: Erst kommt lange nichts – und dann gleich ganz viel. Gegen Stäfa drückte Schlumpf ordentlich auf die Tube und wurde mit elf Treffern zur prägenden Figur des Spiels. Die offensive 3:3-Deckung der Gastgeber eröffnete Räume auf den Flügeln. Die HCKL-Rückraumspieler fanden Schlumpf immer wieder – und dieser liess sich die Chancen nicht entgehen. 42:33 hiess es am Ende. Der vierte Sieg im vierten NLA-Spiel war Tatsache. Dabei war der Auftritt des HCKL nicht immer glanzvoll. Doch genau darum ging es: Pflicht erfüllt, zwei Punkte mitgenommen und gleichzeitig den Reservisten wichtige Einsatzzeit gegeben. Wyatt Aellen, Ben Zimmermann und Marc Bader durften sich zudem über ihre ersten Saisontore freuen.
Jetzt wartet die grosse Bühne
Viel Zeit zum Durchatmen bleibt allerdings nicht. Denn nach dem Abstecher in die NLA-Provinz wartet nun die grosse europäische Bühne. Am Mittwoch startet für den HC Kriens-Luzern das Abenteuer Champions League. In Kielce trifft der HCKL auf den polnischen Meister – und damit auf einen Gegner von internationalem Format. Schlumpf freut sich auf den Szenenwechsel: «Spass haben, geniessen, Vollgas geben und nicht zu viel überlegen, dann wird das für uns eine erfolgreiche Geschichte.» Egal, welche Rolle ihm dabei zukommt: Schlumpf wird bereit sein. Die Captain-Binde trägt er nach vier Jahren inzwischen nicht mehr, die Einstellung bleibt aber dieselbe. «Es war mir eine Ehre, doch ich werde mich nicht ändern. Wenn mir etwas nicht passt, werde ich es weiterhin ansprechen.» Elf Tore in der Heimat, vier Siege zum NLA-Start – und jetzt die Champions League. Der HCKL ist bereit für die grosse Bühne.
Telegramm
Handball Stäfa - HC Kriens-Luzern
Sporthalle Frohberg | 379 Zuschauende | SR Félix Bernardo / Lopez Berloso
HC Kriens-Luzern
Car (44%), Pilipovic (30%); Epp (0), Jerome Müller (2), Justin Müller (4), Bilyk (6), Wolfisberg (2), Sipic (0), Herburger (4), Schelker (3/3), Schlumpf (11), Oertli (3), Zimmermann (1), Aellen (4), Bader (1), Fuchs (1)
Bemerkungen
HCKL ohne Milosavljevic (verletzt) und Idrizi (rekonvaleszent)
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